Das Gerüstbauer-Handwerk zeigt sich in Deutschland robuster als viele andere Bereiche der Bauwirtschaft. Doch ein genauerer Blick auf die aktuellen Zahlen der Sozialkasse des Gerüstbaugewerbes (SOKA Gerüstbau) offenbart tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Branche. Die Entwicklung der Bruttolohnsummen und der gewerblichen Arbeitnehmer zwischen 2016 und 2025 zeigen einen klaren Trend: Die Branche wächst finanziell, ist aber zunehmend auf ausländische Entsendebetriebe angewiesen.
Ein Jahrzehnt des Wachstums
Die langfristige Entwicklung der Branche ist auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte. Seit 2016 verzeichnet das Gerüstbaugewerbe ein kontinuierliches Wachstum sowohl bei der Anzahl der Beschäftigten als auch bei den ausgezahlten Löhnen.
| Jahr | Gewerbliche Mitarbeiter | Bruttolohnsumme in Mio. € |
| 2016 | 24.955 | 598 |
| 2018 | 27.412 | 708 |
| 2020 | 30.114 | 789 |
| 2022 | 30.097 | 841 |
| 2024 | 31.233 | 923 |
| 2025 | 30.788 | 942 |
Wie die Daten zeigen, stieg die Zahl der gewerblichen Arbeitnehmer von knapp 25.000 im Jahr 2016 auf einen Höchststand von über 31.000 im Jahr 2024. Parallel dazu kletterte die Bruttolohnsumme von 598 Millionen Euro auf beachtliche 942 Millionen Euro im Jahr 2025.
Die aktuelle Entwicklung: Mehr Geld, weniger Köpfe
Besonders interessant ist die Entwicklung vom Jahr 2024 auf 2025. Hier zeigt sich eine gegenläufige Tendenz: Während die Bruttolohnsumme weiter um 2,1 Prozent ansteigt (von 923 auf 942 Millionen Euro), sinkt die Anzahl der gewerblichen Arbeitnehmer leicht um 1,4 Prozent auf 30.788 Beschäftigte.
Dieser Anstieg der Lohnsumme bei gleichzeitig leichtem Rückgang der Beschäftigtenzahl lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Zum einen spiegeln sich hier die Tariferhöhungen der vergangenen Jahre wider. Zum anderen deutet es darauf hin, dass die verbleibenden Fachkräfte mehr Stunden leisten oder höher qualifiziert (und damit besser bezahlt) sind.
Der Strukturwandel: Inlandsbetriebe vs. Entsendebetriebe
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus den aktuellen SOKA-Zahlen verbirgt sich in der Aufschlüsselung nach Betriebstypen. Hier wird ein massiver Strukturwandel im deutschen Gerüstbau sichtbar, der maßgeblich durch den Fachkräftemangel getrieben wird. Die @Gemeinhardt Service GmbH macht diesem Strukturwandel eine klare Ansage mit ihrer Talenteschmiede.
Die Entwicklung bei der Anzahl der gewerblichen Arbeitnehmer zeigt eine deutliche Schere:
- Inlandsbetriebe verzeichnen einen Rückgang von 3,2 Prozent.
- Entsendebetriebe wachsen hingegen stark um 11,5 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Bruttolohnsumme:
- Bei Inlandsbetrieben steigt sie nur minimal um 1,1 Prozent.
- Bei Entsendebetrieben schießt sie um 11,7 Prozent in die Höhe.
Diese Zahlen aus der Präsentation der SOKA Gerüstbau decken sich mit dem Geschäftsbericht 2024, der bereits einen deutlichen Zuwachs bei ausländischen Betrieben und deren Arbeitnehmern feststellte. Entsendebetriebe sind Unternehmen mit Sitz im Ausland, die Arbeitnehmer zur Ausführung von Bautätigkeiten nach Deutschland entsenden. Auch sie nehmen am Urlaubskassenverfahren der SOKA GERÜSTBAU teil, um Mindeststandards und Wettbewerbsgleichheit zu sichern.
Fazit für die Branche
Die Zahlen der SOKA Gerüstbau belegen eindrucksvoll: Der deutsche Gerüstbau-Markt ist lukrativ und die Lohnsummen steigen kontinuierlich. Gleichzeitig schaffen es die inländischen Betriebe zunehmend weniger, ihren Personalbedarf aus dem heimischen Arbeitsmarkt zu decken. Das Wachstum und die Aufrechterhaltung der Kapazitäten in der Branche werden aktuell maßgeblich durch ausländische Entsendebetriebe getragen.
Für Inlandsbetriebe bedeutet dies, dass Themen wie Mitarbeiterbindung, attraktive Arbeitsbedingungen und moderne Recruiting-Strategien wichtiger sind denn je, um im Wettbewerb um die besten Köpfe – und damit um die Aufträge der Zukunft – bestehen zu können.