VOB und DIN-Normen – das Vorschriften-Gerüst unserer Arbeit

Sind sie auch schon einmal im Zahlendschungel der DIN-Normen verloren gegangen? Selbst Profis wissen oft nicht, welche DIN der VOB zugrunde liegt oder wie es mit deren Rechtsverbindlichkeit aussieht. Stahlrohre, Bemessungen und selbst Tragfähigkeit der Holzbohlen – für jedes Detail greift eine eigene DIN. Welche diese sind und welche Bedeutung sie für Ausführung und Gerüst haben, erfahren Sie in dieser kleinen Übersicht.

Die wichtigste Norm für den Gerüstbau

Wer ein Gerüst aufbaut, muss sich an die VOB halten. Hinter diesen drei Buchstaben verbirgt sich die „VOB/C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Gerüstarbeiten“, wie die DIN 18451 mit amtlichem Namen heißt. Daneben beschreiben DIN 1960 die Vergabe von Bauleistungen als Teil A und DIN 1961 die Ausführung als Teil B.

Doch die Veröffentlichung als DIN-Norm allein macht sie noch nicht zum rechtswirksamen Dokument für ein Gerüst. Eine am Deutschen Institut für Normung e. V. (DIN) verfasste Norm wird erst durch deren Einführung in das Baurecht wirksam. Diesen Rechtsakt vollzog die Bauaufsichtsbehörde für die VOB, womit sie Gültigkeit für den Gerüstbau erlangte.

Normen über die Ausführung

Ein Gerüst, das allen Anforderungen auf sämtlichen Baustellen gerecht wird, gibt es nicht. Stets muss der Gerüstbauer durch sorgfältige Planung und nach Ansicht vor Ort geeignete Lösungen für die jeweilige Aufgabe finden. Die Vorgaben aus der VOB allein stoßen hier an ihre Grenzen.

Die Sicherheit steht beim Gerüstbau an oberster Stelle. Daher regelt eine Vielzahl an Vorschriften, welche Anforderungen ein Gerüst zu erfüllen hat, um sicheres Arbeiten zu gewährleisten. So regelt die DIN EN 12810 den Aufbau von Fassadengerüsten aus vorgefertigten Bauteilen. DIN EN 12811 beschreibt zudem das Vorgehen bei temporären Konstruktionen für Bauwerke. Für Anforderungen, Bemessung und Entwurf von Traggerüsten ist die DIN EN 12812 zuständig.

Was in der VOB ebenfalls unerwähnt bleibt, sind die Grundlagen für die Planung und Realisierung von Absturzsicherungen. Diese sind in der DIN 4426 zusammengefasst.

Normen zum Material

Eine fachkundige und sorgfältige Montage vom Gerüst reicht allein nicht aus, um die Sicherheit am Bau zu garantieren. Daher müssen Gerüstbauer neben der VOB und den Ausführungs-Normen auch Normen zum Material einhalten.

Die wichtigsten Vorgaben dazu finden sich in der DIN EN 39, die technische Lieferbedingungen für systemunabhängige Stahlrohre zur Verwendung in Trag- und Arbeitsgerüsten festlegt. Zusammen mit der DIN EN 74 über Kupplungen, Zentrierbolzen und Fußplatten für Arbeits- und Traggerüste beschreiben sie die wesentlichen Bestandteile eines Gerüstes.

Selbst für die wichtigen Holzbohlen, auf denen Monteure viele Stunden am Tag verbringen, greift eine Norm: Die DIN 4074 verhindert folgenschwere Verwechslungen durch Vorgaben zur Sortierung von Bauschnittholz nach Tragfähigkeit.

Fazit

Die Montage eines Gerüstes benötigt viel mehr, als Muskelkraft und gutes Material. Sorgfalt bei der Planung und Wissen über die unterschiedlichen Normen sind Anforderungen, die jeder Gerüstbauer mitbringen muss.